Dienstag, 26. Oktober 2010

Mein Word spinnt

 deshalb muss ich das mal hier ablegen :-)

Mexico


Das Hämmern der Regentropfen auf das Dach des Busses mischte sich mit dem Stöhnen der Frau in der hinteren Reihe und dem leisen Schluchzen einiger anderer Mitreisenden. Regina starrte auf das Ziffernblatt ihrer Armbanduhr. Sie steckten hier nun schon seit 3 Stunden fest, und es schien, als ob keine Rettung in Sicht war. Sich selbst innerlich verfluchend, klar, sie musste ja unbedingt eine Abenteuertour mitmachen, tastete sie erneut nach ihrem Handy, nur um erneut festzustellen, dass es keinen Empfang hatte.

Am Morgen hatte sie kurzentschlossen eine Bustour zur Sumidero Schlucht gebucht, weil sie die Langeweile eines Singleurlaubs nicht mehr ertragen konnte. Nun steckte sie hier fest statt sich am Buffet mit Köstlichkeiten zu verwöhnen und mit ein paar kühlen Drinks die nötige Bettschwere zu verschaffen. Das Unglück kam unvorhersehbar, eben staunten die Touristen noch über die unglaubliche rechts und links des schmalen Passes, um Sekunden später wild durcheinander geschüttelt zu werden und im Graben zu landen. Einigen Menschen im Bus schienen sich ernsthaftere Verletzungen zugezogen zu haben, Regina lediglich einige blaue Flecken. Doch das der Busfahrer nach dem Unfall aus dem Bus geklettert war, ihnen einige Worte in Spanisch zugeworfen und seit dem verschwunden war, bereitete ihr mit jeder verstreichenden Minute mehr Sorgen. Sie stand vorsichtig auf, denn die Lage des Buses gab einem das Gefühl, das er jeden Augenblick auf eine Seite kippen konnte, und ging den Gang einige Schritte nach unten. Auf der linken Seite saß eine Frau die augenscheinlich wie sie selbst allein unterwegs war. Sofort drehte sie ihren Kopf in Reginas Richtung und sah sie mit interessierten braunen Augen in einem blassem Gesicht an. Sie deutete auf den leeren Platz neben sich und nickte. Regina schob sich an ihren Beinen vorbei und setzte sich.

    "Haben Sie eine Ahnung, wie lange wir hier schon festsitzen?", fragte sie und versuchte zu Lächeln.

Regina nickte:  "Zwei Stunden und 53 Minuten. Ich frage mich, wohin der Fahrer verschwunden ist? Müsste nicht längst Hilfe eingetroffen sein?"

   "Ich vermute, er hat sich erst einmal untergestellt, haben Sie gesehen, welche Sturzbäche dort draußen vom Himmel fallen?"

Regina schaute die Frau fassungslos an: "Sie meinen doch nicht etwa, das er Schutz vor dem Regen sucht anstatt Hilfe für uns zu organisieren? Das kann und will ich nicht glauben!"

   "Ich bin davon überzeugt", antwortete die Frau, wühlte kurz in ihrer Tasche und hielt Regina Sekunden später einen Kaugummi vors Gesicht: "Möchten Sie?"

   "Ich kann Ihnen beiden sagen, wo unser Fahrer jetzt ist", rief eine Frau von weiter hinten. "Über alle Berge! Vermutlich ist das Gefährt hier nicht versichert und er hat einfach das Weite gesucht, bevor sein Geldgeber bemerkt, was passiert ist. Ich fürchte, wir werden uns gemeinsam eine andere Lösung einfallen lassen."

   "Wieso sagen Sie das?", fragte Regina nach hinten. Die Frau stand auf, kam auf sie zu und aus ihrer Silhouette wurde eine kräftige, sehr hübsche Frau mittleren Alters mit braungebrannter Haut: "Ich bin schon eine ganze Weile hier im Land, und habe schon ein bisschen was erlebt, deshalb erlaube ich mir diese bisher reine Mutmaßung. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Cornelia und ich würde mich gerne eine Weile zu Ihnen gesellen, ich muss gestehen dass mich das Stöhnen und Jammern von der Rückbank langsam zermürbt. Ist vielleicht ein Arzt hier im Bus?", fragte sie mit lauter Stimme, bevor sie in der Reihe hinter Regina Platz nahm. "Habe ich mir schon gedacht" ergänzte sie als niemand sich meldete. "Der wäre sicher schon lange nach hinten gegangen um helfen."

Regina nickte zustimmend: "Ich heiße Regina und das hier ist...", erklärte sie und schaute fragend auf ihre Sitznachbarin.

   "Julia, ich bin Julia"!

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